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Schon
Ende des 16.Jh. waren die Bandeirantes keine losstürmenden Freibeuter
zur Eroberung des Hinterlandes mehr, sondern Truppen im Dienst des
Königs, die den ersehnten Reichtum finden sollten. Durch eine Krise
der brasilianischen Wirtschaft, Zucker- und Sklavenhandel wuchs der
Druck auf die Urbevölkerung. Gleichzeitig entstanden zwei bedeutende
Bewegungen zur Erschliessung des Landesinneren: die der Jesuiten aus
der Stadt São Paulo "Paulistas" und die der Bewohner der
Gegend um São Paulo "Bandeirantes", die miteinander in Konflikt
gerieten.
Während des 17. und 18.Jh. marschierten die Bandeirantes von São Paulo
ins Landesinnere, um Indianer Gefangenzunehmen. Die meisten von ihnen, die Indianermütter
und portugiesische Väter hatten, sprachen sowohl Tupi-Guaraní als
auch Portugiesisch. Ausserdem hatten sie die Überlebenskünste der Indianer
sowie die europäische Waffenkunst erlernt. Sie trugen dichte Baumwolljacken,
die von den Pfeilen der Indianer nicht durchdrungen werden konnten.
Nur leicht bepackt zogen sie in Gruppen von einem Dutzend bis zu 200
Mann Stärke umher. Sie blieben meistens monate-, manchmal sogar jahrelang
fort, lebten im Freien und plünderten die Indianerdörfer. In der Mitte
des 17.Jh. hatten sie das Land bereits bis zu den peruanischen Anden
und zum Tiefland der Wälder des Amazonas durchquert. Diese unmenschlichen
Beutezüge, sicherten mehr als jeder Vertrag das Innere des südamerikanischen
Kontinents für das portugiesische Brasilien. In ihren Zügen entwerteten
sie so den Vertrag von Tordesillas zu einem Fetzen Papier.
Bandeirantes, wie man die gerne als Helden verklärten, oft skrupellosen
Abenteurer nannte, die an diesen Unternehmungen teilnahmen, waren
auf der Suche nach neuen Reichtümern und Arbeitskräften für ihre Plantagen.
Sie schreckten bei ihren Raubzügen auch nicht vor den Jesuitenmissionen
zurück, konnten sie doch dort der unbewaffneten Missionsschützlinge
leicht habhaft werden. Die Jesuiten versuchten verzweifelt, die Indianer,
die vor den Angriffen der Bandeirantes bei ihnen Zuflucht suchten,
zu beschützen. Die Jesuiten bewaffneten die Indianer, woraufhin verzweifelte
Schlachten stattfanden. Die Bandeirantes wurden zwar zeitweilig auf-,
aber niemals angehalten.
Erst im späten 17.Jh. hatten die Bandeirantes Erfolg mit der Suche
nach Bodenschätzen; Gold und Diamanten wurden zunächst in Minas Gerais,
später auch in Goiás, Mato Grosso und Bahia gefunden. Ein wahrer Goldrausch
setzte ein, Glücksritter aus ganz Brasilien und Portugal strömten
in die Minengebiete, und mit ihnen die Sklaven; bald mussten Bestimmungen
betreffend der Zuwanderung und Jahresquoten für Sklaven erlassen werden.
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