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Die Stadt São Paulo

   
     

Guarulhos, São Paulos internationaler Flughafen, um noch einen dritten Flügelbau erweitert, hat Rio de Janeiro als Drehscheibe im brasilianischen Auslandsflugverkehr längst auf den zweiten Platz verwiesen. Drei, vier, manchmal auch sechsspurige Stadtautobahnen führen zum Zentrum und an die Grenzen der besseren Wohnbezirke.

Die scheinbar niemals endende Fahrt dorthin gerät zwangsläufig zum ersten Sightseeing durch das, was die Paulistaner als "Periferia" bezeichnen: Ein zwanzig Kilometer breiter Gürtel aus Industriekomplexen, Arbeitersiedlungen und Elendsquartieren aus unverputzten Ziegeln, Holz, Blech und Pappe, genannt "Favelas".

São Paulos Lage auf einem hügeligen 800m hoch gelegenen Plateau, zwischen dem atlantischen Küstengebirge "Serra do Mar" (auch Mata Atlântica genannt) im Osten und den Ausläufern der "Serra do Mantiqueira" im Westen ist günstig. Nach Santos, zum wichtigsten Hafen Brasiliens, sind es keine 100km und Guarujá, das Strandbad der "Paulistanos", ist kaum weiter entfernt. Auf der anderen Seite beginnt das weite "Interior - Landesinnere", geprägt durch intensive Landwirtschaft und Städte wie Campinas (1,2 Mio.Einwohner), Sorocaba (500.000), Riberão Preto (550.000) und São José dos Campos (530.000). Mit 248.00km² ist der Staat São Paulo nahezu so gross wie Deutschland vor der Wiedervereinigung (249.00km²).

Blick vom Serra da Cantareira
Blick vom Serra da Cantareira

Die beste Übersicht über die 20-Millionen-Metropole bietet das Dachrestaurant "Terraço Itália" auf São Paulos höchstem Gebäude. Die Zahl der Hochhäuser scheinen ins Unendliche zu reichen. Auf und um die vielen Erhebungen der Stadt gebaut, vermitteln sie eindrucksvoll das Bild eines steinernen Meeres mit Wellenbergen und Wellentälern aus Stein, Stahl, Beton und Glas. Nur im Nordwesten ist ein Ende zu erkennen. Dort erhebt sich schemenhaft der Gebirgszug "Serra da Cantareira". Naturreservat und eines der wichtigsten Trinkwasserreservoire der Stadt.
48 Stockwerke weiter unten, wieder auf der vielzitierten Kreuzung der Avenidas São Luís und Ipiranga, kommt man im doppelten Sinn wieder auf den Boden zurück: Menschen, Autos, Busse, Staub und noch mehr Menschen. Die Sinfonie aus Stimmen, Motorenlärm, Hupen und den Schreien der Strassenverkäufer wirkt fröhlicher als das dumpfe Grollen deutscher Grossstädte.

Spätestens auf der Fahrt in die "Jardins", dem schicksten Einkaufs-, Flanier- und Vergnügungsviertel, fällt neben der allgegenwärtigen Armut sofort eitel zur Schau getragener Wohlstand auf. Die Anzahl der Millionäre scheint in die Hunderttausende zu reichen. Eine gut verdienende obere Mittelschicht tut das übrige, um die Existenz der schicken Boutiquen, Restaurants und Nachtlokale zu sichern.
Hoch oben, über den Jardins, thront die Avenida Paulista, die Vorzeigestrasse der Stadt. Gesäumt von vielfach in die Jahre gekommenen Hochhäusern und Wolkenkratzern, gilt sie als das Finanzzentrum Südamerikas. Für eine Allee hat die "Paulista" zu wenig Bäume, doch diese Schlucht aus Glas und Beton ist noch immer imponierend. Auffällig inmitten der Bürotürme: Einige Villen im italienischen Neo-Renaissancestil, die trotz Quadratmeterpreisen von bis zu DM 15.000,00 bis heute vom Reichtum der Kaffeebarone zeugen. Ihr Schicksal freilich ist längst besiegelt. Denn - Denkmalschutz hin und her - sobald sich ein Gutbietender Käufer findet, werden diese Zeugnisse der Geschichte abgerissen.

São Paulo ist nicht gerade eine schöne Stadt. Aufgrund fehlender gesetzlicher Instrumente konnte nicht verhindert werden, dass sich die Stadtteile im Laufe der Zeit wandelten. Mit den Jahren haben sie ihre historischen Eigenarten verloren: Prächtige Bürgerhäuser machten Betontürmen Platz, Tunnel und Brücken führen über ganze Viertel hinweg. Werbeplakate, Leuchtanzeigen und gigantische Leinwände besetzen die wenigen Freiplätze. Bäume werden von den öffentlichen Plätzen gerissen und durch riesige Shopping-Center ersetzt.

Durch das Schwindelerregende Wachstum der Stadt bekommen die Stadtteile eine neue Bedeutung. Wenn schon die Häuser oder historische Avenidas zerstört werden, so halten zumindest die Viertel noch einige Erinnerungen fest. Mit ihren Eigenarten - ihren Bewohnern, Festen und Traditionen - stellen sie ein multikulturelles Erbe dar und spiegeln sich letztlich den Geist des brasilianischen Volkes wieder.
Ein Bummel durch die Strassen von São Paulo, die Entdeckung ihrer Geheimnisse, der verschiedenen Rhythmen, Gesichter und Gerüche ist der erste Schritt für denjenigen, der die kosmopolitischste aller brasilianischen Städte näher kennenlernen möchte.


Was man nicht versäumen sollte:

  • Essen: der erste grosse Wunsch von jemanden, der São Paulo besucht. Die Stadt pflegt eine gute Speisekarte und wird weltweit als eine der grössten gastronomischen Anlaufpunkte eingestuft und lediglich mit Städten wie New York, Paris und Tokio verglichen. Ein Netz an mehr als tausend Restaurants bietet typische Speisen aus allen Regionen Brasiliens sowie praktisch allen Teilen der Welt. Deshalb schliesst für den Paulista ein guter Abend stets einen Besuch in eines der Restaurants mit ein. Nach dem Theater- oder Kinobesuch, vor dem Tanzlokal, beim Entspannen vom Einkaufen oder auch beim Museumsbesuch.

  • Ein Besuch im MASP, dem Kunstmuseum von São Paulo, ist ein angenehmes, entspannendes und zufrieden stellendes Programm. Es befindet sich auf der Avenida Paulista - finanziellem Herzstück und eine der schönsten Strassenzüge in São Paulo. Sein rotes, modernes und kühnes Gebäude, auf Erdboden gestützt, bewahrt eine wertvolle Kollektion von Künstlern wie Bosch, Rembrant, Poussin, Van Gogh, Renoir und Degas. Integriert im internationalen Kunstkreis bietet es einen exzellenten Veranstaltungsplan sowie auch Gastausstellungen an. Im Inneren des Museums befindet sich ein Selbstbedienungsrestaurant mit internationaler Küche, welches an diesem Ort eine angenehme Option darstellt.

  • Konzertbesuch im Salon "São Paulo". Was kann es angenehmeres geben als auf dieser antiken Bahnstation, welche in eines der weltweit akustisch vollkommensten Theater umgewandelt wurde, das Wiener Sinfonieorchester zu geniessen??

  • Im Park von Ibiraquera spazieren zu gehen. Jener gilt als "Lunge von São Paulo" und ist ein dicht mit Bäumen bewachsener Stadtpark, den die Paulistas zum Joggen und Ausübung ihres Lieblingsportart benutzen.

  • Spaziergang durch Bexiga, einem Stadtteil italienischer Kolonisation, der sich zu einem grossem Freizeitpark und kulturellen Zentrum der Stadt herauskristallisiert hat. Man findet darin Theater, Büchereien und Videotheken umgeben der von einigen der besten italienischen Restaurants aus São Paulo einladend duftenden Strassen.

  • Für Automobilfreunde ist der Besuch des Autodroms in Interlagos ein Muss! Jenes stellt auch eine der Rennstrecken des grossen Preises der Formel-1 Piloten dar.

 

 

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