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Vom Verkehr in São
Paulo zu sprechen, bedeutet, vom Auto zu sprechen. Zwar benutzen
pro Tag mehr als drei Millionen Passagiere einen der 11.000 Omnibusse
und mehr als zwei Millionen fahren täglich U-Bahn. Der Anteil
des öffentlichen Personenverkehrs liegt damit bei mehr als
50% - ein Spitzenwert im Vergleich zu europäischen Grossstädten.
Dennoch ist São Paulo eine Stadt der Privat-Pkw, fast 5 Millionen
Fahrzeuge wollen auf den Strassen bewegt werden.
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Das Omnibussystem
ist recht gut ausgebaut, allein aufgrund der Grösse der Stadt und
der Anzahl der potentiellen Fahrgäste jedoch ständig überlastet.
Das Verzeichnis aller Buslinien füllt ein 120 Seiten starkes Buch,
trotzdem sind weite Teile der Stadt noch nicht ausreichend erschlossen.
Die Busse bewegen sich zumeist auf Vorzugsspuren, sind in den Stosszeiten
überfüllt und teilweise in schlechtem technischen Zustand. So empfiehlt
es sich, nur in Ausnahmefällen auf einzelnen Strecken, tatsächlich
Bus zu fahren. Wer einmal einen Trip in einen der nördlichen Stadtteile
gewagt hat, wird sich hinterher über den glücklichen Ausgang dieses
Nervenkitzelnden Abenteuers freuen. Eine sinnvolle und günstige
Alternative bieten die sog. "Fretamentos", von den
Firmen gemietete Reisebusse, die die Arbeitnehmer zu festen Zeiten
auf festen Routen zu ihrer Arbeitsstelle bringen. Auf einigen vielbefahrenen
Routen zirkulieren Kleinbusse "VW-Busse, Kia Besta u.a.",
die mit einem blauen Streifen und der Bezeichnung "Lotacão"
gekennzeichnet sind. Ein Schild an der Windschutzscheibe gibt Auskunft
über die bediente Strecke.
Die U-Bahn ist dagegen in jeder Hinsicht ungefährlich und
auch für deutsche Verhältnisse eindrucksvoll sauber. Leider ist
das Streckennetz mit insgesamt 50km Streckenlänge und 3 Linien schlichtweg
unzureichend. Hochfliegende Ausbaupläne werden immer wieder von
finanziellen Problemen beeinträchtigt. Ein flächendeckendes System
wird wohl noch auf sich warten lassen.
Mit dem Auto unterwegs in São Paulo. Diese Stufe ist vergleichsweise
unproblematisch: Einfach losfahren! Um jedoch nicht gleich an der
ersten Kreuzung eine böse Überraschung zu erleben, hier einige grundlegende
Tipps:
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Rote Ampeln und Stoppschilder
haben - insbesondere nachts - nur eingeschränkte Bedeutung. Deshalb
ist es empfehlenswert, sich einer Kreuzung zügig aber vorsichtig
zu nähern und in jedem Falle damit zu rechnen, dass von rechts oder
links ein Verkehrspartner voller Zuversicht und mit respektabler
Geschwindigkeit einfährt. An einigen Kreuzungen stehen Kameras,
die Ampelsünder blitzen. Die Strafmandate sind extrem teuer.
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Fahrtrichtungsanzeige: Grundsätzlich gilt:
Vertraue nicht auf das Blinklicht des Vordermannes, es könnte defekt
oder einfach in Vergessenheit geraten sein. Sollte jedoch der Fahrer
eines vorausfahrenden Wagens den Arm zum linken Fenster heraushalten,
ist fest mit seinem Spurwechsel innerhalb der folgenden Sekunden
zu rechnen. Auch Richtungspfeile auf einzelnen Fahrspuren haben informatorischen
Charakter. Es gilt in São Paulo grundsätzlich das mehrspurige Abbiegen.
Dabei kommt es nicht selten zur Situation: rechte Spur fährt geradeaus,
linke Spur will rechts abbiegen - in diesen Fällen ist Verständigung
angebracht. Zudem ist die Anzahl der Fahrspuren variabel und direkt
abhängig von der Verkehrsdichte - Fahrbahnmarkierungen im Staufalle
also überflüssig.
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Geschwindigkeitsbeschränkungen werden als Empfehlungen
aufgefasst. Langsamfahrer werden als Hindernisse behandelt und mehrspurige
Strassen - insbesondere an den Wochenenden - gern zu Rennstrecken
umfunktioniert. Deshalb sollte man bemüht sein, im Verkehr mitzuschwimmen
und sich vor Rasern in acht zu nehmen. Vorsicht allerdings bei einigen
Hauptstrassen im Stadtgebiet und auf den parallel zu den Flüssen
verlaufenden Stadtautobahnen "Marginais": Geschwindigkeitsbeschränkungen
werden dort penibel überwacht, Radarkontrollen sind häufig und die
"Polícia Rodoviária" kennt keine Gnade. Dei Geldstrafen
sind gesalzen. Wird man von einem entgegenkommenden Fahrzeug mit
dem Fernlicht angeblinkt, bedeutet das: Vorsicht, Polizei, Unfall
oder gefährliche Situation in Sicht. Um die Geschwindigkeit nicht ausufern zu lassen, hat die Stadtverwaltung
auf einigen Strassen künstliche Hindernisse installiert. Deshalb
die vierte Regel:
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Hüte dich vor Lombadas. Diese künstlichen Hügel im
Asphalt "gerne "Quebramolas=Federnbrecher" genannt"
tauchen unvermittelt auf, nötigen zum Abbremsen auf maximal 30km/h
und führen bei Nichtbeachtung zu einer deutlichen Beeinträchtigung
der Verkehrstüchtigkeit des Fahrzeugs. Zusätzlich gilt: Wo keine
Lombadas sind, wartet sicherlich ein tiefes Schlagloch. Apropos Geschwindigkeit: Mit durchschnittlich 19km/h gehört der
Stadtverkehr São Paulos zu den langsamsten der Welt. Dies liegt
an der grossen Zahl häufig und unvermittelt auftretender Staus.
Nicht nur zur Rush-hour sondern auch nachts um zwei Uhr auf einer
Nebenstrasse kann er den unbedarften wie den erfahrenen Autofahrer
ereilen. Daher die wichtige fünfte Regel:
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Im Stau Ruhe und Gelassenheit bewahren. Hektisches
Spurwechseln oder die Suche nach Ausweichrouten haben meistens keinen
Zweck, sondern beeinträchtigen lediglich das eigene Nervenkostüm.
Zudem hat jeder Gesprächspartner Verständnis für eine staubedingte
Verspätung. In solchen Situationen werden auch die Vorteile einer zweirädrigen
Motorisierung deutlich. Eine Heerschar von furchtlosen "Motorboys"
stürzt sich tagtäglich ins Gewühl, um wichtige Dinge wie Dokumente,
einen Geburtstagskuchen oder eine Pizza von A nach B zu transportieren.
Da hierbei Geschwindigkeit alles ist, wird für solche Ritter der
Strasse schnell auch die Gegenfahrbahn, der Standstreifen oder der
Gehweg zur Bühne ihrer Kunst. Deshalb: Abstand halten, Kopf und
Arme nicht zu weit aus dem Auto strecken und mit allem rechnen.
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Ein Wort zum Thema Parken: Die Inanspruchnahme eines
der überall vorhandenen gebührenpflichtigen Parkplätze "Estacionamento"
ist, obwohl nicht billig, auf jeden Fall anzuraten. Ein Schaden
am Auto oder gar Diebstahl sind sicher teurer. Um den Komfort für
ihre Gäste zu erhöhen, bieten viele Restaurants und Bars den Service
der "Manobristas" an. Da heisst es nur: Vorfahren, Auto
in der zweiten Reihe parken und den Schlüssel einem der jungen Männer
in die Hand drücken, die für ordnungsgemässes Abstellen sorgen.
Deren Einsatzleiter verteilen meist Tickets, die beim Verlassen
des Lokals wieder abgegeben werden müssen. Das Fahrzeug steht danach
gegen Entrichtung eines kleinen Obulus in wenigen Minuten wieder
abfahrtsbereit vor der Tür. Ein stetiges und allgegenwärtiges Ärgernis sind die selbsternannten
Parkwächter. Diese, meist minderjährigen, freundlichen Helfer bieten
Ihnen an, auf Ihr Fahrzeug "aufzupassen", kaum dass der
Wagen zum Stillstand gekommen ist. Die verlangten Preise schwanken
zwischen 1 und 10 R$. Es empfiehlt sich unbedingt, dieses freundliche
Ansinnen nicht auszuschlagen, denn sonst fehlt bei der Rückkehr
garantiert ein Scheibenwischer, der Rückspiegel oder die Antenne.
Grundsätzlich sollte aber immer erst bei Rückkehr zum Fahrzeug bezahlt
werden "Pago na Volta". Andererseits sollte nicht jeder
unverschämten Forderung nachgegeben werden, in der Regel bescheiden
sich die Aufpasser mit einem Trinkgeld von 1-2 R$.
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Tanken: Es gibt Alkohol "Álcool", Benzin
"Gasolina" und Diesel "Diesel". Selbstbedienung
gibt es an den Tankstellen in Brasilien nicht. Hilfsbereite Tankwarte
übernehmen nicht nur das Betanken, sondern auch die Kontrolle von
Ölstand und anderen Dingen sowie das Reinigen der Scheiben, wofür
sie nach erledigter Arbeit mit einem Trinkgeld "Gorjeta"
belohnt werden sollten. Übrigens enthält auch das Benzin 24% Alkohol.
So will die Regierung - importiertes - Rohöl einsparen.
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Fernfahrten: Ein Kapitel für sich sind die Fahrten
ausserhalb São Paulos. Hier ist generell höchste Aufmerksamkeit
geboten. Nachtfahrten und Fahrten bei Regen sollte der "Anfänger"
tunlichst vermeiden. Unbeleuchtete Fahrzeuge, Fussgänger oder gar
Pferdefuhrwerke auf den Bundesstrassen sind keine Seltenheit. Besondere Vorsicht ist angebracht, wenn abgebrochene Zweige oder
Äste auf der Fahrbahn liegen. Diese deuten meist auf einen Unfall
oder ein liegengebliebenes Fahrzeug - meist unbeleuchtet - hin.
Vorsicht auch beim Überholen von LKWs, vor allem, wenn es bergab
geht. Da diese oft über unzureichende Bremsen verfügen, kann es
passieren, dass das Fahrzeug, sobald ein langsameres vor ihm auftaucht,
unvermittelt nach links ausschert. Also: möglichst auf potentielle
"Hindernisse" vor dem LKW achten. Auf Blinksignale - rechts: kann überholt werden, links: Vorsicht
Gegenverkehr - kann man sich leider nicht immer verlassen, da der
Vordermann vielleicht auch nur vergessen hat, den Blinker auszuschalten. Im Stau gilt auch hier: Ruhe bewahren und gelassen zusehen, wie
die übrigen Verkehrsteilnehmer zuerst die Standspur und dann die
Gegenfahrbahn benutzen, bis auch diese verstopft sind.
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Ein Stadtplan - 358 Seiten - sollte ständig zur Hand
sein. Anfängliche Versuche, sich ohne Vorabinformation zurechtzufinden,
enden häufig in völliger Orientierungslosigkeit und starken Verspätungen.
Ausserdem ist die Beschilderung São Paulos erst nach einiger Strassenverkehrserfahrung
verständlich. Namensgleiche Avenidas und Stadtviertel wechseln sich
auf den Wegweisern mit Hinweisen auf Sehenswürdigkeiten oder andere
Städte ab.
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Sollte - trotz aller Vorsicht - doch einmal ein
Unfall
passieren, hilft nur noch eines: Das eigene Fahrzeug sollte ausreichend kasko- und haftpflichtversichert
sein. In der Regel ist nicht damit zu rechnen, dass ein Unfallgegner
über ausreichenden Versicherungsschutz verfügt. Also: Bei kleineren
Blechschäden sollte nicht zuviel Aufhebens gemacht, sondern schnell
die Fahrbahn freigemacht werden, um den nächsten Stau zu vermeiden.
Hat es allerdings kräftiger "gekracht", ist ein Warten
auf das Eintreffen der Polizei in jedem Falle empfehlenswert. Deren
Protokoll "B.O." kann vor unliebsamen späteren Überraschungen
- Klage des Unfallgegners etc. - schützen.
Wer
diese wenigen Grundregeln berücksichtigt, wird es binnen kurzer
Zeit geniessen, am pulsierenden Verkehr in São Paulo teilzunehmen. Was dabei hilft, sind gegenseitiges Verständnis, Rücksichtnahme
und eine teilweise unglaubliche Geduld, die allen Autofahrern hier
zu eigen sind. Wer ruhig und gelassen bleibt, hat beste Chancen,
schnell und sicher seinen Weg zu finden.
"Metrôfahren" in São Paulo Vor Betreten des schnellsten, sichersten und bequemsten öffentlichen
Verkehrsmittels São Paulos muss die richtige Fahrkarte gekauft werden. Die Auswahl an den Schaltern in den Unterführungen ist gross, die
Warteschlange oft leider auch. Deshalb ist gut beraten, wer gleich
"Bilhetes" im voraus kauft. Nächstes Hindernis: Die Schranke, die den Zutritt zum Bahnsteig
verwehrt. Die kann durchlaufen werden, sobald die Karte eingeschoben
ist. Metrô kann beliebig oft gefahren und gewechselt werden, sobald das
Bahnsteignetz nicht verlassen wird. Aus der Metrôstation kommt man heraus, indem man die grün gekennzeichneten
Schranken einfach durchläuft.
Taxifahren Die Taxis in den Städten sind alle mit einem Taximeter "Taxímetro"
ausgestattet. Der Fahrpreis kann direkt abgelesen werden beginnt
in São Paulo mit R$ 3,20 (Stand 20.11.2000). Von 20:00 bis 06:00
Uhr gilt der Nachttarif - Tarif 2 -. Dann läuft das Taximeter 25%
schneller, der Einschalt-Fahrpreis bleibt unverändert. Aufpassen,
dass der Taxifahrer nicht vergisst, das Taximeter einzuschalten.
Dieser Trick wird gern verwendet, um stark aufgerundete Preise zu
verlangen! Bei Fahrten in andere Städte oder Gemeinden - der internationale
Flughafen von São Paulo "Cumbica, liegt z.B. im Nachbarort
Guarulhos - sind Aufpreise von 50% zulässig. Neben den normalen
weissen Taxis, meist Autos der Mittelklasse, gibt es in den grösseren
Städten die komfortableren aber auch teureren Funktaxen "Radotáxi,
Táxi especial". Sie können an Flughäfen und Hotels oder telefonisch
angefordert werden. Übrigens: Eine Taxifahrt kann bei genügender
Aufgeschlossenheit gegenüber dem zumeist interessierten und zu Auskünften
bereiten Chauffeur "Motorista" zu einem ersten unmittelbaren
Kontakt mit der brasilianischen Mentalität werden.
Auszug aus dem Buch: "Willkommen in Brasilien: Informationen
für das Einleben in São Paulo" - Band 4 - Copyright © AHK-São
Paulo - Câmara de Comércio e Indústria Brasil-Alemanha 2001/2002
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