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Wasserkraftwerk Itaipú

   
     

Die "Usina Hidrelétrica da Itaipu Binacional", ein Gemeinschaftsprojekt von Brasilien und Paraguay, wird gespeist von einem 1.400km² grossen Stausee, dem Lago de Itaipú, und erzeugt mit 89.237gwh etwa ein Viertel des gesamten brasilianischen Energiebedarfs. Die Baukosten betrugen 18 Mrd. US$, der verwendete Zement entsprach der Masse von 200 Maracanã-Stadien, der Stahl dem Gewicht von 350 Eifeltürmen.

Alles hier ist gigantisch, die Staumauer mit einer Höhe von 196m und einer Breite von 8km, die 390m breite "Schöpfkelle", die 62.200m³ pro Sekunde hindurchlässt, sowie die 120m hohe Dunstglocke, die dieser grandiose künstliche Wasserfall zu bilden vermag.
 

Solcher Gigantismus, typisch für das Denken der Militärgeneräle - das Kraftwerk entstand zwischen 1975 und 1984 -, forderte natürlich seine Opfer, z.B. den Verlust der Sete Quedas - der "Sieben Wasserfälle", dem ehemals grössten Wasserfall der Welt, und einst vorherrschendes Postkartenmotiv des Rio Paraná.
Über diesen Wasserfall stürzte das Dreissigfache der Wassermenge der Iguaçu-Wasserfälle in die Tiefe und bildet statt dessen nun ein 1.400km² grosser See. Dies hatte Veränderungen im Wetter sowie in der Pflanzen- und Tierwelt der Gegend zur Folge. Das volle Ausmass der Nachwirkungen dieser Veränderungen in der Umwelt wird man erst in mehreren Jahrzehnten erkennen.
 

Grundsätzlich wird man im Falle Brasiliens, das kaum mit Kohle- oder Gasvorkommen gesegnet ist und der Atomenergie aus Kosten- und Abhängigkeitsgründen reserviert gegenübersteht, nichts gegen die Nutzung des enormen Wassermengen dieses Landes einwenden können. Kritiker hatten jedoch damals anstelle beschleunigten "Wachstums um jeden Preis" ein bescheideneres Wachstumsmodell gefordert, einschliesslich des Baus kleinerer, dezentraler Kraftwerke mit weniger zerstörerischen Auswirkungen für die lokale Ur-Bevölkerung sowie für Flora und Fauna.
Glücklicherweise hat der Damm keine Auswirkungen auf den Fluss des Wassers in Iguaçu, da der Paraná und der Iguaçu erst weiter flussabwärts zusammenfliessen.

Darüber wird man natürlich in den Reiseprospekten zu Foz do Iguacu nichts finden, in denen nur von Naturwundern die Rede ist. Selbst der künstliche Stausee wird wegen seiner Wassersportmöglichkeiten zu einem Öko- und Ferienparadies hochstilisiert. Den Besuch von Picknick- und Churrasco-Plätzen eingeschlossen, kann man gar einen Ausflug per Boot unternehmen. Zudem wird auf künstlich angelegte Strände wie Santa Terezinha oder Bairro de Três Lagoas verwiesen, mit Campingmöglichkeiten, Sportplätzen, Imbiss usw.
 

Nicht zu vergessen ist natürlich der Besuch des Kraftwerks selbst bzw. seines modernen Besucherzentrums "Centro de Visitantes": Während eineinhalb Stunden informieren Führer, Monitore und ein 30-minütiger Dokumentarfilm über Geschichte und Technik dieses umstrittenen Energieriesen. Und als wollte man sein schlechtes Gewissen beruhigen, wurde in der Nähe des Kraftwerks gar ein Öko-Museum errichtet.

Der Staudamm ist 19km von Iguaçu entfernt.
 

Übersicht
Curitiba
Foz do Iguaçu
Wasserkraftwerk Itaipu
Ilha do Mel

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