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Wenn Sie in Brasilien
einmal etwas vollkommen anderes sehen möchten und lediglich Zeit einen
einzigen Ausflug ins Landesinnere des Nordostens haben, dann ist
Lençois das richtige Ziel.
Am Rande des Nationalparks Chapada Diamantina liegt das ehemalige
Diamantenwäscherstädtchen Lençois - inmitten von Bahia, 425km von
Salvador entfernt. Die in den Ausläufern des Sincorá-Gebirges auf dem
Diamanten-Plateau gelegene Stadt stammt aus dem Jahr 1844, als
erstmals Diamanten in dieser Gegend entdeckt wurden.
Sie finden dort Einsamkeit, kleine Ortschaften, eingetaucht in die
Geschichte und den Aberglauben der "Garimpeiros - Schürfer" und
grossartige Wandermöglichkeiten zu Gipfeln, Wasserfällen und Flüssen.
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Als im Jahre 1844 die grossen Funde im Rio Mucujé gemacht wurden,
strömte eine bunte Mischung aus Schürfern, Banditen und Abenteurern
aus ganz Brasilien dorthin, um ihr Glück zu suchen. Die Garimpeiros
begannen ihre Suche nach Diamanten an den Stellen, wo auch Kimberlit
vorkam. Sie lebten in behelfsmässigen Zelten, die von den umliegenden
Bergen aus wie zum Trocknen ausgelegte Leintücher aussahen. Daher
stammt der Name Lençois, das portugiesische Wort für Laken.
Brasilianische und europäische Edelsteinhändler liessen damals in der
bahianischen Provinz - wo Steinhäuser im Gegensatz zu den Lehmhütten
der meisten Bewohner eine Seltenheit darstellten - verschwenderisch
ausgestattete, zweistöckige Herrenhäuser "Sobrados" erbauen. Die
Franzosen richteten hier sogar ein Konsulat ein. Der Diamantenrausch
machte Lençois zu einer aufstrebenden Stadt. Die Gesellschaft trug die
neueste Pariser Mode und schickte ihre Kinder zum Studium nach Paris.
Ende des Jahrhunderts begannen die Diamantenfunde allerdings
spärlicher zu werden, die Nachfrage der Franzosen nachliess - und
damit auch der Wert der Diamanten auf dem Weltmarkt - sowie die
Sklaverei abgeschafft wurde und neue Funde in südafrikanischen Minen
gemacht wurden, erlebte der brasilianische Diamantenboom zu Beginn des
20.Jh. seinen Niedergang.
Heute hat sich die Wirtschaft der Stadt auf die Kaffee- und
Maniokproduktion sowie auf den Tourismus verlegt. Die Einheimischen
träumen jedoch noch immer von Diamanten. Nachdem den letzten noch
verbliebenen Garimpeiros die Benutzung starker Pumpen im Jahre 1995
verboten worden war, sind sie zu den traditionellen Methoden
zurückgekehrt, um den Flussbetten noch Diamanten zu entreissen.
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Heute ist Lençois ein schönes Dörfchen mit ca. 8.000 Einwohnern, das
sich in den letzen 150 Jahren wenig architektonisch verändert hat.
Auch der zunehmende Tourismus hat bisher noch keine hässlichen Folgen
gehabt, sondern zur Erhaltung der Bausubstanz beigetragen. Die "neuen
Einwohner" haben sich an die Spitze einer Umweltschutzbewegung
gestellt, die die Regierung erfolgreich veranlasste, die Region zu
einem Naturschutzgebiet zu erklären.
Lençois kann sehr gut zu Fuss besichtigt werden, wenngleich die
meisten der Gebäude für die Öffentlichkeit leider nicht zugänglich
sind. Sehen Sie sich das französische Vizekonsulat an, ein Gebäude aus
dem 19.Jh, in dem die Diamantenpreise ausgehandelt wurden, sowie die
Casa de Afrânio Peixoto mit persönlichen Gegenständen und Arbeiten des
Schriftstellers.
In wenigen Minuten erreicht man zu Fuss die Naturschwimmbecken eines
ehemaligen Garimpos, Serrano, die farbigen Sandgrotten des Salão de
Areia und den kleinen Wasserfall Cachoeirinha des Rio Laranjeiras. Bis
zur Rutschbahn des Ribeirão do Meio braucht man ca. 30 Minuten. Hier
fliesst der Fluss über ausgewaschene Felsen in ein natürliches Becken.
Dorfkinder und Touristen rutschen an heissen Tagen auf dem Po die
Rampe hinunter - Tipp: alte Hosen anziehen! -
Die Gruta do Lapão, ca. 4km entfernt, ist eine der grössten
Quarzithöhlen Brasiliens mit einem beeindruckenden, sich 30m hoch
öffnenden Ausgang. Die Cascata do Sossego liegt 7km entfernt in einem
Canon des Ribeirão-Flusses mitten im Urwald. Im eisenhaltigen Wasser
kann man baden.
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