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Termine
2008-2017
Fleisch
heisst auf portugiesisch "carne" - und aus diesem Wortstamm
leitet sich auch der Begriff Carnaval ("Abschied vom Fleisch")
ab. Historisch, während des europäischen Karnevals des 16. und 17.Jh.,
stand das ganze ordinäre "Fressen" im Vordergrund. Fleisch
zu essen war zu dieser Zeit noch etwas Besonderes und nur zu bestimmten
festlichen Anlässen geboten, zudem wollte man die letzten Tage vor
Beginn der Fastenzeit am Aschermittwoch noch voll auskosten. Geht
man noch weiter in die Geschichte zurück bis zu den alten Griechen
und Römern, trifft man auf die orgiastischen Feste des Baccanal,
Saturnal und Lupercal, die ebenso zu den Vorläufern des späteren
Karnevals gehören wie die Narrenfeste und Maskentänze des Mittelalters.
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Nach Brasilien eingeführt wurde der Karneval von den Portugiesen
wahrscheinlich schon im 17.Jh., mit Sicherheit jedoch im Jahre 1723,
unter der alten Bezeichnung "Entrudo". Er war ursprünglich
ein ausgelassenes und mitunter ausartendes Treiben, bei dem man
sich mit Wasser, Puder, Kalk und allem, was gerade zur Verfügung
stand, gegenseitig bespritzte und beschmutzte. Später wurden weniger
aggressive Spielformen eingeführt wie das Bewerfen mit Konfetti
und Papierschlangen. Ab 1840 setzte allmählich eine Verbürgerlichungstendenz
ein, mit Festveranstaltungen in noblen Ballhäusern und der Entstehung
von finanzkräftigen Karnevalsgesellschaften. 1928 entstand in Rio
de Janeiro die erste Sambaschule Mangueira. Bis heute ist der Karneval
von dieser historischen Ambivalenz zwischen spontanem Volksfest
und organisierter Bürgerveranstaltung geprägt, bis heute stehen
diese Formen nebeneinander, vermischen sich bisweilen und grenzen
sich anschliessend wieder aus. Seit Mitte des Jahrhunderts jedoch
präsentiert sich der Karneval in Brasilien, besonders in
Bahia und im Nordosten des Landes,
verstärkt afrobrasilianisch und führte zu einer Wiederbelebung des
populären Strassenkarnevals, lediglich in
Rio de Janeiro blieben der traditionelle Salon- und Clubkarneval
sowie die organisierten Umzüge der Sambaschulen weiter dominierend.
Ein formeller Stadtball wurde erstmals 1932 im Teatro Municipal
eröffnet. Bis dahin gab es in Rio zur Karnevalszeit an die 100 Faschingsbälle.
Rios Arbeiterklasse mochte - und mag - den Karneval vor allem wegen
der Musik, des Tanzens und Trinkens. Anerkennung verdient ein portugiesischer
Einwanderer, José Nogueira Paredes, für die Gründung des ersten
Karnevalsclubs. Eine seiner Ideen war, jedermann im Club dazu zu
bringen, auf der Trommel denselben Rhythmus zu spielen, um so einen
einheitlichen Klang zu erzeugen. Diese Technik wurde grundlegend
für die "Bateria" oder auch "Rhythmusgruppe"
de modernen Sambaschulen. Die Clubs der Arbeiter- und Mittelklasse
heissen "Blocos, Ranchos oder Cordoes"
und spielten aus Europa stammende Balladen, Choros genannt, die
zum Teil immer noch beliebt sind. Im 19.Jh. hatten diese Clubs oft
eine wohltätige oder, wie beim Clube dos Socialistas, eine rein
politische Zielsetzung und waren auch ausserhalb der Karnevalszeit
aktiv. Viele dieser vorwiegend weissen Clubs gibt es heute noch,
wie der Clube dos Democráticos, der jedes Jahr den Strassenkarneval
mit einem Festzug eröffnet.
Einer der ersten Beiträge der Clubs zum modernen Karneval war der
Umzug mit prachtvollen Kostümen, Wagen und Musikbegleitung. Themen
der Parade waren Geschichten aus der Bibel, aus Mythologie und Literatur.
Der erste Umzug wurde 1855 von einer Gruppe organisiert, die den
hochtrabenden Namen "O Congresso das Sumidades Carnevalescas"
trug. Sie zog an einem Elitepublikum vorbei, zu dem auch der Kaiser
gehörte. Bei ihrer Darbietung sah man reich geschmückte Formationen
mit Szenenbildern aus der französischen Geschichte und aus Don Quijote.
Von 1900 an war die jährliche Innenstadt-Parade solcher Gruppen,
der Grandes Sociedades, der Höhepunkt des Karnevals. Im späten 19.Jh.
nahmen erstmals Schwarze am Karneval teil. Dies lag zum Teil an
der Dürre, die 1877 den Nordosten überfiel und viele befreite Sklaven
nach Rio trieb. Um 1890 brachten diese Menschen ihre Musik- und
Tanztraditionen
in den Karneval ein.
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Karneval in Bahia |
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