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Ökotourismus

   
     

Weltweit werden im Bereich Tourismus jährlich US$ 3,5 Billionen umgesetzt; die Branche erzeugt Steuereinnahmen in Höhe von US$ 655 Mrd. und stellt 10,6% aller weltweiten Arbeitsplätze zur Verfügung. In Brasilien ist der Tourismus für 7,8% des Bruttoinlandsproduktes und 8,8% aller Arbeitsplätze verantwortlich.

Der Ökotourismus hat sich als eine Richtung des Tourismus herausgebildet: Die Stadtbevölkerung wünscht sich immer stärker den Kontakt zur Natur, um das Gefühl von Freiheit und Nähe zur Umwelt zu erleben, das in den grossen urbanen Zentren immer seltener zu spüren ist.

Ökotourismus, sanfter oder alternativer Tourismus, Tourismus der Radikalsportarten wie Klettern, Rafting, Rappel, Canyoning, Mountainbike etc., Vogel- und Tierbeobachtung, ländlicher Tourismus - diese und andere Strömungen haben die Zielsetzung gemein, an den besuchten Orten eine nachhaltige Entwicklung zu ermöglichen. Darüber hinaus soll dazu beigetragen werden, dieses Gebiet richtig auf die Besucher vorzubereiten, damit deren Wunsch nach einem intensiven Naturerlebnis erfüllt wird und sie etwas über die Besonderheiten der besuchten Orte lernen.

Lençois Maranhenses - Maranhão - Copyright © FreeWay Adventures São Paulo
Lençois Maranhenses - Maranhão

Tapuio - Copyright © FreeWay Adventures São Paulo
Tapuio

Auch in der Herkunftsregion der Touristen sollte diese Entwicklung unterstützt werden, indem man die Reisegruppe auf die kulturellen und ethnischen Unterschiede vorbereitet und den Respekt für diese sowie für die natürlichen Ressourcen propagiert. So wird versucht, die negativen Auswirkungen des Tourismus in all diesen Bereichen zu minimieren.

Ökotourismus wird in Brasilien definiert als: "ein Segment des Tourismus, welches das natürliche und kulturelle Erbe auf nachhaltige Weise nutzt; dessen Erhalt fördert, die Bildung eines Umweltbewusstseins anstrebt und die Lebensqualität der beteiligten Bevölkerungsgruppen verbessert" (Interministerieller Erlass 001 vom 20.April 1994).

Bedeutung:
Der Ökotourismus ist für Brasilien von ausgesprochener Wichtigkeit, denn in seinem Konzept sind soziale und wirtschaftliche Aspekte integriert. Aufgrund der geographischen und kulturellen Vielfalt dieses Landes gibt es zahlreiche ausgedehnte Gebiete mit grossem Potential.

Vom Norden bis zum Süden, vom Osten bis in den Westen trifft man die verschiedensten Ökosysteme: den tropischen Regenwald am Amazonas, den Atlantischen Küstenregenwald, die offenen Formationen der Hochlagen, den savannenähnlichen Cerrado, das Feuchtgebiet Pantanal, die Küsten, Mangroven und Inseln, die verschiedenen Schutzgebiete, National- und Landesparks.

All diese Gebiete können aus der Entwicklung des Ökotourismus sozioökonomischen Nutzen ziehen: der ansässigen Bevölkerung werden Entfaltungsmöglichkeiten geboten, sie können in ihrer Heimat verbleiben, die Landflucht nimmt ab, die Ressourcen werden geschont, es entstehen lokale Arbeitsplätze - die Region erlebt eine nachhaltige Entwicklung. Der Ökotourismus trägt auch zur Verbesserung der Infrastruktur in den Bereichen Transport, Kommunikation sowie Wasser- und Abwasserwirtschaft bei.

Ökotourismus sollte stets zusammen mit Umwelterziehung realisiert werden, damit einerseits die potentiellen Gäste über die besuchten Orte und die dort lebenden Menschen informiert sind und andererseits die lokale Bevölkerung das touristische Potential ihrer Region bestmöglich zu nutzen lernt, indem sie den Besuchern umfassende Kenntnisse über ihre Folklore, Kultur und Naturattraktionen vermitteln.

Belastungen:
In der Natur verwirklichte Aktivitäten bergen stets die Gefahr negativer Auswirkungen. Daher ist es überaus wichtig, dass alle Beteiligten über das Bewusstsein und die Kenntnisse verfügen, diese Aktivitäten möglichst umweltverträglich auszuführen. Werden die Ressourcen falsch genutzt und erschöpfen sich, kann sich die Umwelt derart in ihrem Charakter verändern oder solch starke Schädigungen aufzeigen, dass eine ökotouristische Nutzung unmöglich wird - alle zuvor getätigten Investitionen würden wirtschaftlichen Schaden nehmen. Ein gutes Management hingegen kann die Belastungen so gering halten, dass sie im Vergleich zum Nutzen des Ökotourismus vernachlässigbar sind.

Jericoacoara - Copyright © FreeWay Adventures São Paulo
Jericoacoara

Pantanal - Copyright © FreeWay Adventures São Paulo
Pantanal

Zukunftsaussichten:
In Brasilien wächst das Geschäft mit dem Ökotourismus mit jedem Tag: Neue spezialisierte Reisebüros werden eröffnet; den heimischen Fabrikanten von Ausrüstungsgegenständen, die für viele dieser Aktivitäten nötig sind, steht ein neues Feld offen - sie können neue Materialien einführen und so den Ausübenden mehr Sicherheit bei ihren Unternehmungen bieten.

Fortbildungskurse werden durchgeführt, in den Städten richtet man Ausbildungsgänge für Fachpersonal ein, so dass beide Seiten - Entsender und Empfänger - immer besser für die Entwicklung dieses relativ neuen Marktes geschult sind.

Neue Vorhaben tragen durch die Schaffung von Arbeitsplätzen, durch erhöhte Steuereinnahmen und die Verwendung dieser Mittel im sozialen Bereich zu höheren Einkommen und einer besseren Einkommensverteilung bei.

Es ist von grösster Wichtigkeit, dass sich die einzelnen Regierungsebenen, die verschiedenen Elemente der Branche und die Bevölkerung ihrer Verantwortung und Zuständigkeiten bewusst sind, damit der Ökotourismus für Brasilien dauerhaft zu einer Einkommensquelle wird und dem Land zum Nutzen gereicht.

Auszug aus dem Buch "1.Deutsch-Brasilianischer Führer für Umwelttechnologien 1999-2000" - Ingo Miethke é consultor e sócio da ADNATURA Ecologia e Trilhas" Copyright © AHK-São Paulo - Câmara de Comércio e Indústria Brasil-Alemanha 2001/2002
 

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